Latin Swing Express
Adi Jüstel hatte seinen eigenen Jazz-Keller, der zu Silvester 1973 eröffnet wurde. Die Salzach-River-Stompers spielten auf, und auch Fatty George war zu hören. Natürlich war es nicht möglich, jede Woche eine Stargruppe zu verpflichten, also brachte sich Adi Jüstel selbst das Klavierspielen bei - wer ihn heute hört, mag es kaum glauben, dass er nach wie vor das Lesen von Noten als eher hinderlich für sein Musizieren empfindet. Dabei ist er allerdings in bester Gesellschaft: eines seiner Vorbilder am Klavier, Eroll Garner, und noch so manch andere Jazz-Größe verzichteten ebenfalls darauf, Noten lesen zu lernen. Kaum glauben konnten das auch die Mitglieder der Wiener Philharmoniker, die Adi Jüstel ermutigten, seine Musik auf Platte aufzunehmen. In den Jahren 1982 und 1986 entstanden so die Langspielplatten Mexicano Blues, Adi goes Latin und Its a funny thing. Mit Geburt des Adi Jüstel Latin Swing Express entstand auch gleich die erste CD: Just for you.
Ein Who is Who des Jazz - das Gästebuch von Adi Jüstel:
Monty Alexander, in dem viele den legitimen Nachfolger von Oscar Peterson sehen, Mal Waltron, den Klavierbegleiter Billie Holidays, Axel Zwingenberger, Fatty George, Oskar Klein. Friedrich Gulda, Wild Bill Davis, Jimmy Woode, der junge Bassist der legendären Duke-Ellington Big Band, Blind John Davis, Eroll Dixon, Walace Davenport, das Golden Gate Quartet, The Legends of Jazz, Manitas de Plata, Los Paraguayos, Paul Kuhn, Bireli Lagrene, Art Farmer ...
Bob Williams, er spielte Saxophon im Harry-James-Orchester, richtet seinen Europa-Urlaub so ein, dass er 5 Wochen lang jeden Samstag mit dabei sein konnte. La Romanderie, die Gipsy-Swing-Band im unverkennbaren Reinhardt-Sound war ebenso mit dabei, wie Jose Feliciano oder Rozee Wortham und Pony Poindexter.
Adi Jüstel war es, mit großzügiger Unterstützung der Salzburger Nachrichten, der die Grand Dame des Jazz - Ella Fitzgerald - nach Salzburg holte.
Ein andere Anekdote aus früheren Zeiten ist mit einem anderen großen Namen verbunden: Louis Armstrong: Louis Armstrong gastierte mit seiner Band in Wien, Adi Jüstel fuhr selbstverständlich zu diesem Konzert-Pflichttermin. Seine Trompete nahm er mit, denn er hatte vor nach dem Konzert noch in Fattys Saloon zu einer Jam-Session vorbeizuschauen.
Was Adi nicht wusste: Armstrongs Musiker kamen nach ihrem Konzert ebenfalls dorthin und spielten mit. Da saß Adi nun unter den ganz großen des Jazz und hörte zu wie im Traum, aber als Jüngster wagte er es einfach nicht, seine Trompete auszupacken und mitzuspielen. Es wurde bereits hell, als sich Adi losriß, weil er wieder zurück nach Salzburg musste. "Du willst nach Salzburg? Da kannst du mit uns fahren, wir haben einen eigenen Waggon." Diese Einladung der Armstrong-Musiker ließ sich Adi natürlich nicht entgehen.
Als er mit seinem Trompetenkoffer unter den Musikern im Abteil saß, sah ihn Trummy Young, der Posaunist der Armstrong-Truppe, erstaunt an: "Du spielst Trompete? Wieso hast du bei der Session nicht mitgespielt?" Adi gestand, dass er zwar mit den Stompers und ab und zu auch mit Fatty George spiele, aber sich heute Nacht einfach nicht getraut hatte. Trummy Young grinste: "Wenn du mit Fatty spielst, kannst du mit uns auch spielen!" Und dann blieb Adi fast das Herz stehen: Louis Armstrong selbst kam ins Abteil herein, blickte kurz auf die Trompete und sagte in seiner unverwechselbaren, rauhen Stimme: "Kannst du mit dem Ding auch umgehen?" - als Adi so etwas wie "... ein bisschen ..." von sich gab, meinte Armstrong nur: "Na, Junge, dann lass mal hören." Ehe Adi wusste wie ihm geschah, hatten alle ihre Instrumente ausgepackt und begannen zu jazzen.